Parodontologie als Schlüsseldisziplin der Zukunft

Die Parodontitisbehandlung wird immer mehr zu einer SchlüsseldisziplinDie Parodontologie ist nicht mehr aus dem Gesamtbehandlungskonzept der Praxen wegzudenken und wird somit zu einer Schlüsseldisziplin – dieser Satz stammt nicht von mir sondern von meinem Kollegen Prof. Dr. med. dent. Anton Sculean. Er ist weltweit lehrend und forschend tätig und veröffentlicht regelmäßig Beiträge in renommierten Fachzeitschriften. Und diese Aussage teile ich voll und ganz!

Er betrachtet den Menschen in seiner Gesamtheit, und verfolgt aus diesem Grund auch einen ganzheitlichen Behandlungsansatz. Auch diesen befürworte ich und wende ihn tagtäglich bei meinen Patienten an.

Dabei gilt die Parodontologie als Schlüsseldisziplin: Gute Zähne und belastbare Zahnsubstanz sind nicht nur frei von kariösen Stellen, sondern sie müssen auch konsequent auf versteckte oder bereits sichtbare Zahnfleischentzündungen kontrolliert werden. Haben sich erst einmal Entzündungen des Zahnfleisches gebildet und werden diese nicht behandelt, begünstigt dies in der Folge oft systemische Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, Diabetes mellitus oder rheumatoide Arthritis. Die Zusammenhänge zwischen Zahngesundheit und allgemeiner Gesundheit sind nachgewiesen und Studien belegen, dass die konsequente Behandlung von Zahnfleischentzündung die Symptome dieser Erkrankungen mildern kann.

Zudem weist Prof. Sculean in seiner jüngsten Veröffentlichung auf den demografischen Wandel hin: Man dürfe bei der Therapieplanung nicht aus den Augen verlieren, dass ein jetzt 40-jähriger oder jüngerer Parodontalpatient die Zähne noch 30, 40 Jahre oder sogar noch länger funktionsfähig behalten müsse.

Um auf die Bedürfnisse unserer Patienten einzugehen und uns an die Veränderung der Gesellschaft anzupassen, bilden wir uns also stetig weiter. Das Angebot an Parodontitis-Prophyaxe und Parodontitis-Behandlungsmöglichkeiten kann ganz individuell an die Bedürfnisse des Patienten angepasst werden. Bekannte Autoren wie Prof. Sculean helfen dabei, die Themen weltweit zu veröffentlichen und so auf Schlüsseldisziplinen wie die Parodontologie hinzuweisen

Einmal mehr können wir also feststellen, dass die Parodontologie und darauf gestützte Behandlungskonzepte die Eckpfeiler jeder Praxis sein sollten – damit unsere Patienten auch in vielen Jahren ihren Lebensabend mit eigenen, gesunden Zähnen genießen können.

Prostataleiden: Parodontitisbehandlung kann zur Besserung beitragen

Parodontitisbehandlung gegen Prostataleiden Dank der Behandlung von Parodontitis können auch Prostataleiden gemildert werden. Foto: Pro DenteDie Verbesserung der Zahngesundheit soll sich auf Prostataleiden auswirken? Was zunächst weit hergeholt scheint, konnte in einer US-amerikanischen Studie jetzt bewiesen werden.

An der Studie nahmen Männer teil, die an einer Erkrankung der Prostata litten. Ausnahmslos alle Studienteilnehmer zeigten zudem auch Anzeichen einer Parodontitis – ein ganz offensichtlicher Zusammenhang!

Im Laufe der Studie wurde bei den Teilnehmern zunächst nur die Parodontitis behandelt, und schon nach vier bis sechs Wochen konnte eine deutliche Besserung beim Zahnfleisch verzeichnet werden. Da in dieser Zeit das Prostataleiden nicht behandelt wurde, war es umso beeindruckender, dass bei zwei Drittel der Studienteilnehmer auch das Prostataleiden zurückgegangen war.

Gemessen wurde die Verbesserung durch einen Bluttest, mit dem prostataspezifische Antigene (PSA) nachgewiesen werden konnten. Bei den Patienten, bei denen die Parodontitis am stärksten war, konnte auch die größte Verbesserung der PSA erzielt werden. Die Leiter der Studie fordern nun, dass Prostatapatienten auch immer eine Parodontitisbehandlung erhalten.

Einmal mehr zeigt sich: Eine ganzheitliche Betrachtung des menschlichen Körpers und der vielen, einander beeinflussenden Vorgänge zahlt sich aus: Behandelt man ein Krankheitsbild, verbessern sich andere Leiden oftmals “wie von selbst”.

Optimistisch: Parodontitis bald ohne Knochenverlust?

Der Kieferknochen spielt eine entscheidende Rolle bei der Implantation: Denn, wenn starker Knocheverlust vorhanden ist, kann die künstliche Zahnwurzel nicht fest verankert werden. Foto: proDente e.V.Die starke Schädigung des Zahnhalteapparates bis hin zum Zahnverlust ist die schlimmste Vorstellung für jeden Parodontitis-Patienten. Doch aus welchem Grund wird der Kieferknochen abgebaut? Kanadische Kollegen haben nun die mögliche Ursache gefunden – und damit auch die Basis zur Entwicklung einer medikamentösen Therapie.

Wenn sich Knochengewebe entzündet – was der Fall ist bei einer Parodontitis – dann werden auf der Knochenoberfläche abnormal große Osteoklasten gebildet. Osteoklasten sind für den Abbau älterer Knochenbestandteile zuständig, während ihr Gegenpart, die Osteoblasten, direkt wieder neuen Knochen aufbauen.

Die entzündungsbedingten Osteoklasten sind größer als bei einem gesunden Knochen und bilden sich, wenn sie durch das Protein Adseverin zu außergewöhnlichem Wachstum angeregt werden. Diese Superosteoklasten wiederum geben vermehrt Enzyme frei, die den Knochen abbauen. Durch die Zersetzung des Knochens wird dieser geschwächt und der Zahnhalteapparat, der tagtäglich einer großen Beanspruchung und starken Kräften ausgesetzt ist, lockert sich. Die Folge: Zahnverlust.
Warum bei Entzündungen Superosteoklasten überhaupt entstehen können, wird von dem Team um den Torontoer Zahnmediziner Dr. Michael Glogauer untersucht. Es wird vermutet, dass Zytokine, die das Wachstum von Zellen bestimmen, auch die Zunahme von Adseverin beeinflussen.
In unserem Körper kommt das Adseverin nur in geringer Menge vor, und nur wenige Zellen können es produzieren – alles in allem eine gute Ausgangslage, um eine medikamentöse Therapie zu entwickeln.
Die Zeichen stehen also positiv, dass der massive Knochenverlust und in der Folge der Zahnverlust bei einer Parodontitis bald der Vergangenheit angehören könnten.

Eines bleibt jedoch zu sagen: Auch die innovativste Hilfe ist nur anwendbar, wenn eine Parodontitis erkannt wurde. Also regelmäßig auf zum spezialisierten Zahnarzt!

Parodontitis und rheumatoide Arthritis: Citrullinierung lässt Zusammenhang erkennen

Parodontitis-Erreger sind in der Lage, durch die sogenannte Citrullinierung Antigene zu erzeugen, die typisch sind für eine rheumatoide Arthritis.  Patienten, die sowohl an Rheuma als auch an Parodontitis erkrankt sind, kann durch die sanfte photothermische Behandlung geholfen werden. Foto: ProDente Dem Zusammenhang  zwischen oralen Erkrankungen und solchen, die den Körper als Ganzes betreffen, wird zunehmend Aufmerksamkeit beigemessen. Laut einer Publikation meiner Kollegen von der Universität Münster  scheinen Menschen, die an einer rheumatoiden Arthritis erkrankt sind, auch ein erhöhtes Risiko zu haben, eine Parodontitis zu entwickeln.

Umgekehrt wurde schon beobachtet, dass bei Menschen mit Zahnfleischentzündung häufiger entzündliche rheumatoide Erkrankungen auftreten. Neuere Studien  gehen sogar davon aus, dass eine schwere Parodontitis eine rheumatoide Arthritis verursachen kann.

Der Zusammenhang ist dieser: Parodontitis-Erreger sind in der Lage, durch die sogenannte Citrullinierung Antigene zu erzeugen, die typisch sind für eine rheumatoide Arthritis. Bei der Citrullinierung wird die Aminosäure Arginin zu Citrullin umgewandelt. Citrullin hat jedoch eine andere Struktur als Arginin – die Folge ist, dass der Körper die entstandenen „cyclischen citrullinierten Peptide“ (CCP) als Fremdkörper erkennt und sie angreift. Eine Entzündung entsteht. CCP wiederum sind typische Marker, die bei Patienten mit Rheuma nachweisbar sind.

Ist jedoch der Körper permanent mit Entzündungen belastet, wird das Gesamtbefinden des Patienten negativ beeinflusst.

Unsere Patienten betrachten wir ganzheitlich, insbesondere wenn sie auch an einer rheumatoiden Arthritis oder anderen chronischen Erkrankung leiden. Als Zahnärzte können wir Betroffenen zwar nicht direkt bei schmerzenden Gelenken helfen, doch können wir die Parodontitis behandeln. Mit unserer photothermischen Therapie, die ohne Operation oder den Einsatz von Antibiotika auskommt, werden die Entzündungen des Zahnfleisches minimalinvasiv bekämpft. Die Zahnfleischentzündungen klingen ab und die Entzündungsfaktoren im Blut sinken.

Schon eine einzige photothermische Behandlung bringt zumeist eine deutliche Verbesserung und lang anhaltende positive Folgen.

Es wird sogar vermutet, dass die Behandlung der Paradontitis auch den Verlauf der rheumatoiden Erkrankung deutlich mildern kann. Ein Schnelltest in unserer Praxis zeigt innerhalb von 30 Sekunden, ob eine Entzündung mit beginnendem Knochenabbau im Mund vorliegt.

Tolle Sache – leider werden die Behandlungskosten von den gesetzlichen Krankenversicherungen nicht übernommen.

Wünschenswert sind langfristige Studien, um die Zusammenhänge genauer zu erforschen. Die Ergebnisse werde ich gespannt erwarten! Ebenso sollte die Zusammenarbeit zwischen Rheumatologen und Zahnärzten  intensiviert werden.