Parodontitis und rheumatoide Arthritis: Citrullinierung lässt Zusammenhang erkennen

Parodontitis-Erreger sind in der Lage, durch die sogenannte Citrullinierung Antigene zu erzeugen, die typisch sind für eine rheumatoide Arthritis. Patienten, die sowohl an Rheuma als auch an Parodontitis erkrankt sind, kann durch die sanfte photothermische Behandlung geholfen werden. Foto: ProDente Dem Zusammenhang  zwischen oralen Erkrankungen und solchen, die den Körper als Ganzes betreffen, wird zunehmend Aufmerksamkeit beigemessen. Laut einer Publikation meiner Kollegen von der Universität Münster  scheinen Menschen, die an einer rheumatoiden Arthritis erkrankt sind, auch ein erhöhtes Risiko zu haben, eine Parodontitis zu entwickeln.

Umgekehrt wurde schon beobachtet, dass bei Menschen mit Zahnfleischentzündung häufiger entzündliche rheumatoide Erkrankungen auftreten. Neuere Studien  gehen sogar davon aus, dass eine schwere Parodontitis eine rheumatoide Arthritis verursachen kann.

Der Zusammenhang ist dieser: Parodontitis-Erreger sind in der Lage, durch die sogenannte Citrullinierung Antigene zu erzeugen, die typisch sind für eine rheumatoide Arthritis. Bei der Citrullinierung wird die Aminosäure Arginin zu Citrullin umgewandelt. Citrullin hat jedoch eine andere Struktur als Arginin – die Folge ist, dass der Körper die entstandenen „cyclischen citrullinierten Peptide“ (CCP) als Fremdkörper erkennt und sie angreift. Eine Entzündung entsteht. CCP wiederum sind typische Marker, die bei Patienten mit Rheuma nachweisbar sind.

Ist jedoch der Körper permanent mit Entzündungen belastet, wird das Gesamtbefinden des Patienten negativ beeinflusst.

Unsere Patienten betrachten wir ganzheitlich, insbesondere wenn sie auch an einer rheumatoiden Arthritis oder anderen chronischen Erkrankung leiden. Als Zahnärzte können wir Betroffenen zwar nicht direkt bei schmerzenden Gelenken helfen, doch können wir die Parodontitis behandeln. Mit unserer photothermischen Therapie, die ohne Operation oder den Einsatz von Antibiotika auskommt, werden die Entzündungen des Zahnfleisches minimalinvasiv bekämpft. Die Zahnfleischentzündungen klingen ab und die Entzündungsfaktoren im Blut sinken.

Schon eine einzige photothermische Behandlung bringt zumeist eine deutliche Verbesserung und lang anhaltende positive Folgen.

Es wird sogar vermutet, dass die Behandlung der Paradontitis auch den Verlauf der rheumatoiden Erkrankung deutlich mildern kann. Ein Schnelltest in unserer Praxis zeigt innerhalb von 30 Sekunden, ob eine Entzündung mit beginnendem Knochenabbau im Mund vorliegt.

Tolle Sache – leider werden die Behandlungskosten von den gesetzlichen Krankenversicherungen nicht übernommen.

Wünschenswert sind langfristige Studien, um die Zusammenhänge genauer zu erforschen. Die Ergebnisse werde ich gespannt erwarten! Ebenso sollte die Zusammenarbeit zwischen Rheumatologen und Zahnärzten  intensiviert werden.

Osseo-Tagung mit Schwerpunkt Periimplantitis: Gute Nachrichten aus der Emerald City.

SeattleAls Periimplantitis bezeichnet der Zahnmediziner eine Entzündung im Mundraum, die ausschließlich um Zahnimplantate entsteht und für den Patienten – und das Implanatat – schwerwiegende Konsequenzen haben kann. Nämlich dann, wenn die Erkrankung nicht rechtzeitig diagnostiziert und behandelt wird. Das Problem liegt dabei im eher unauffälligen Krankheitsverlauf – der Patient hat anfangs keine Schmerzen und somit auch keine Veranlassung, den Zahnarzt aufzusuchen. Wenn Letzterer dann kein speziell ausgebildeter Parodontologe ist, der von sich aus auf eine verborgene Periimplantitis testet, kann wertvolle Behandlungszeit ungenutzt verstreichen. Damit steigt das Risiko, das Implnatat zu verlieren.

Deshalb habe ich mich Anfang März in Seattle auf einer mehrtägigen Tagung der Academy of Osseointegration ausführlich mit meinen Fachkollegen über dieses wichtige Thema ausgetauscht. Die Ergebnisse unserer Gespräche und Vorträge lassen hoffen: Periimplantitis kann heute sicher diagnostiziert und effektiv behandelt werden.

Wichtige Erkenntnis: Implantate selbst sind nicht etwa der Auslöser dieser Erkrankung – praktisch immer sind fehlende Vorbehandlungen oder eine mangelhafte Nachsorge schuld an der Infektion. Beides kommt mittlerweile häufiger als früher vor, weil nicht mehr ausschließlich speziell ausgebildete Zahnärzte Implantate setzen.

So wird z. B. oft versäumt, das Zahnfleisch vor dem Platzieren eines Implantats umfassend auf Entzündungen zu testen und gegebenenfalls zu therapieren. Insbesondere müssen Zahnfleischtaschen im gesamten Mund – nicht nur um das Implantat herum – behandelt werden. Dabei bietet sich vor allem eine Laserbehandlung an, die effektiv und schmerzfrei erfolgt.

In Seattle haben wir immer wieder festgestellt, dass eine regelmäßige Nachsorge – vergleichbar einer Inspektion beim Auto – unerlässlich ist. Besonders, wenn der Patient zu einer der Hauptrisiko-Gruppen zählt, sind Intervalle von 3 Monaten dringend anzuraten, um Probleme gar nicht erst entstehen zu lassen. Zu den Risikopatienten zählen sowohl Diabetiker als auch Menschen, die unter einer rheumatoider Arthritis leiden. So schwächt z. B. die Verabreichung von Cortison das Immunsystem, so dass Bakterien auch im Mundraum ein leichteres Spiel haben.

So können nicht nur Entzündungen am Zahnfleisch entstehen, sondern auch am Kieferknochen. Dadurch verliert das Implantat natürlich seine Stabilität. Die Behandlung muss großflächig erfolgen, mit Heilungschancen aktuell bei etwa 50%. Gelingt die Behandlung nicht, kann es notwendig sein, das Implantat zu entfernen, damit die Entzündung abheilen kann. Danach kann ein neues Implantat gesetzt werden.

Die Tagung in Seattle hat gezeigt, dass man den Tücken einer Periimplantitis mit effektiven Maßnahmen begegnen kann, wenn – ja wenn – man das Krankheitsbild genau kennt und seine Patienten daraufhin im Auge behält. Das verhindert nicht nur böse Nebenwirkungen, sondern sichert auch die Investition, die ein Implantat schließlich auch darstellt, auf viele Jahre.