Parodontologie für ein besseres Leben – Perio for a better life

Young male dentist holding an x-ray, shallow depth of field - focus on x-ray

Unter dem Titel „Perio for a better life” wurde jüngst eine Kampagne der European Federation of Periodontology (EFP) für die Behandlung der Parodontitis gestartet. Denn Parodontitis ist nicht zu unterschätzen. Zwar zeigt die Krankheit erst dann ihr wahres Gesicht, wenn sie weiter fortgeschritten und bisweilen nur noch aufwändig und zeitintensiv behandelt werden kann, doch auch im Anfangsstadium muss eine entstehende Parodontitis schnellstmöglich behandelt werden.

Das orale Gleichgewicht wird durch freiliegende Zahnhälse und lockere Zähne deutlich eingeschränkt. Offene Stellen am Zahnfleisch öffnen Bakterien Tür und Tor, so dass diese ungehindert und permanent in den Körper eindringen können. Dieser “Dauerbeschuss” durch Bakterien kann dazu führen, dass Krankheiten wie Arthritis oder Diabetes entstehen oder ihre Entwicklung unterstützt wird.

Die Gefahr bei Parodontitis ist, dass wir sie lange und erfolgreich ignorieren können. Vergleichen wir Parodontitis im Frühstadium mit einer offensichtlichen Verletzung: Haben wir uns geschnitten und bluten, verarzten wir uns mit einem Pflaster, um das Eindringen von Bakterien zu verhindern. Bei einer Parodontitis hingegen können wir kein Pflaster verwenden – nur der regelmäßige Besuch bei einem spezialisierten Zahnarzt kann Abhilfe schaffen. Die Kampagne „Perio for a better life” möchte bei den Patienten genau an dieser Stelle das Bewusstsein dafür schaffen, die Anfangssymptome ernst zu nehmen und sich behandeln zu lassen.

Ebenso müssen der Zahnarzt und die Zahnarztpraxis geschult sein und die Bedeutung einer schnellen und effizienten Parodontitisbehandlung erkennen. Nur dann lässt sich eine Lockerung des Zahnhalteapparates oder gar Zahnverlust verhindern und die Kaufunktion bis ins hohe Alter erhalten. Es gibt jedoch auch in Deutschland immer noch viele Zahnarztkollegen, die sich nicht für das spannende und weite Feld der Parodontologie interessieren und es vernachlässigen. Darum richtet sich die Kampagne „Perio for a better life” auch an meine Kollegen. Eine rechtzeitig erkannte Parodontitis ist einfach und für den Patienten schmerzfrei zu behandeln.
Parallel arbeitet die EFP mit ihren Partnern daran, auch die Politik von der Wichtigkeit und Nachhaltigkeit der parodontalen Therapie zu überzeugen.

In unserer Praxis gehört die Parodontologie als Schlüsseldisziplin zum Praxiskonzept. Es wird von uns absolut befürwortet und unterstützt, dass es nun eine Kampagne gibt, die das Bewusstsein für diese hinterhältige Krankheit schärft. Denn wir sagen aus Überzeugung: Parodontologie für ein besseres Leben!

Parodontitis und rheumatoide Arthritis: Citrullinierung lässt Zusammenhang erkennen

Parodontitis-Erreger sind in der Lage, durch die sogenannte Citrullinierung Antigene zu erzeugen, die typisch sind für eine rheumatoide Arthritis.  Patienten, die sowohl an Rheuma als auch an Parodontitis erkrankt sind, kann durch die sanfte photothermische Behandlung geholfen werden. Foto: ProDente Dem Zusammenhang  zwischen oralen Erkrankungen und solchen, die den Körper als Ganzes betreffen, wird zunehmend Aufmerksamkeit beigemessen. Laut einer Publikation meiner Kollegen von der Universität Münster  scheinen Menschen, die an einer rheumatoiden Arthritis erkrankt sind, auch ein erhöhtes Risiko zu haben, eine Parodontitis zu entwickeln.

Umgekehrt wurde schon beobachtet, dass bei Menschen mit Zahnfleischentzündung häufiger entzündliche rheumatoide Erkrankungen auftreten. Neuere Studien  gehen sogar davon aus, dass eine schwere Parodontitis eine rheumatoide Arthritis verursachen kann.

Der Zusammenhang ist dieser: Parodontitis-Erreger sind in der Lage, durch die sogenannte Citrullinierung Antigene zu erzeugen, die typisch sind für eine rheumatoide Arthritis. Bei der Citrullinierung wird die Aminosäure Arginin zu Citrullin umgewandelt. Citrullin hat jedoch eine andere Struktur als Arginin – die Folge ist, dass der Körper die entstandenen „cyclischen citrullinierten Peptide“ (CCP) als Fremdkörper erkennt und sie angreift. Eine Entzündung entsteht. CCP wiederum sind typische Marker, die bei Patienten mit Rheuma nachweisbar sind.

Ist jedoch der Körper permanent mit Entzündungen belastet, wird das Gesamtbefinden des Patienten negativ beeinflusst.

Unsere Patienten betrachten wir ganzheitlich, insbesondere wenn sie auch an einer rheumatoiden Arthritis oder anderen chronischen Erkrankung leiden. Als Zahnärzte können wir Betroffenen zwar nicht direkt bei schmerzenden Gelenken helfen, doch können wir die Parodontitis behandeln. Mit unserer photothermischen Therapie, die ohne Operation oder den Einsatz von Antibiotika auskommt, werden die Entzündungen des Zahnfleisches minimalinvasiv bekämpft. Die Zahnfleischentzündungen klingen ab und die Entzündungsfaktoren im Blut sinken.

Schon eine einzige photothermische Behandlung bringt zumeist eine deutliche Verbesserung und lang anhaltende positive Folgen.

Es wird sogar vermutet, dass die Behandlung der Paradontitis auch den Verlauf der rheumatoiden Erkrankung deutlich mildern kann. Ein Schnelltest in unserer Praxis zeigt innerhalb von 30 Sekunden, ob eine Entzündung mit beginnendem Knochenabbau im Mund vorliegt.

Tolle Sache – leider werden die Behandlungskosten von den gesetzlichen Krankenversicherungen nicht übernommen.

Wünschenswert sind langfristige Studien, um die Zusammenhänge genauer zu erforschen. Die Ergebnisse werde ich gespannt erwarten! Ebenso sollte die Zusammenarbeit zwischen Rheumatologen und Zahnärzten  intensiviert werden.

Stammzellenforschung: Bei Alligatoren schließt sich die Lücke

AligatorzähneBei einem Großteil aller Wirbeltiere wachsen Zähne, die sich abgenutzt haben oder ausgefallen sind, einfach nach. Aus eigener Erfahrung wissen wir: Bei uns Menschen ist das leider anders – nach dem Milchgebiss haben wir nur noch ein (ver-)bleibendes Gebiss, das wir hegen und pflegen müssen.

In der Keck School of Medicine der Universität von Southern California hat man sich gefragt, warum das eigentlich so ist – und ob wir das überhaupt als gegeben hinnehmen müssen. „Wir wollen endlich die Stammzellen lokalisieren, die es uns vielleicht ermöglichen, beim Menschen nachwachsende Zähne zu stimulieren“, sagt Professor Cheng-Ming Chuong über die Ziele der Wissenschaftler. „Dazu müssen wir jedoch zuerst einmal herausfinden, warum das bei vielen Wirbeltieren der Fall ist, bei uns jedoch nicht.“

Ausgerechnet bei Alligatoren fanden die Forscher ideale Voraussetzungen dafür: „Alligatoren verfügen über 80 Zähne, die sich im Laufe ihres Lebens über fünfzig Mal erneuern können“, erklärt ein weiteres Mitglied des Teams, Professor Ping Wu dazu. „Das macht diese Tiere zu einer hervorragenden Vergleichsgruppe, was die Zahnbildung bei uns angeht.“

Mehr zu der erstaunlichen Studie in englischer Sprache: hier.

Krönender Abschluss unserer großen Test-Aktion auf versteckte Parodontitis

Bei meinem letzten Patientenvortrag im Leonardo Royal Hotel konnte ich 30 interessierte Gäste über die gefährlichen Wechselwirkungen zwischen einer unentdeckten Zahnfleischentzündung und anderen Erkrankungen des Körpers in Kenntnis setzen. Alle Anwesenden konnten (und wollten) sich spontan und vor Ort ebenfalls auf Entzündungsstoffe hin testen lassen.

Unser Ergebnis: Über 50 % der getesteten Personen waren tatsächlich von einer Zahnfleischentzündung betroffen.

Das entspricht exakt dem Resultat, das wir im Rahmen unserer Aktion „Krankmacher Mund“ erzielten, in der wir – im Rahmen der EDISA-Studie – genau 300 kostenlose Schnelltests durchführten und auswerteten. Auch hier litt knapp die Hälfte der Testpersonen unter einer bisher unbemerkten Parodontitis.

Die gute Nachricht ist hierbei allerdings, dass nur aus der sicheren Diagnose eine gezielte Behandlung erfolgen kann. Und diese verläuft heute nicht nur sanft und völlig undramatisch, sondern auch sehr erfolgreich mit punktgenauem Laserlicht.

Mehr zum Thema „Sichere Diagnose und sanfte Therapie“ finden Sie auf meiner Hompage: www.john-chanteaux.de