Focus Diabetes – alles über gefährliche Wechselwirkungen auf sieben informativen Seiten.

Focus Diabetes Beitrag

Ich habe mich sehr gefreut, dass die Redakteure des Magazins „Focus Diabetes“ bei uns in der Praxis recherchierten. Patienten und ich selbst wurden befragt. So konnte ich auf die Wechselwirkungen hinweisen, die eine Zahnfleischentzündung für Zuckerkranke so gefährlich machen.
In der aktuellen Ausgabe Nr. 2/2014 können Betroffene Zusammenhänge nachlesen und erfahren, wie sie selbst mit der oft unterschätzten Problematik umgehen können.

Das Thema liegt mir persönlich sehr am Herzen, denn Parodontal-Erkrankungen sind bei Diabetikern überdurchschnittlich häufig – und verlaufen besonders gefährlich. Wie Studien eindeutig belegen, haben schlecht eingestellte Patienten, die unter diesem Krankheitsbild leiden, ein dreifach erhöhtes Risiko, an Parodontitis zu erkranken. Durch einen hohen Zuckerspiegel verändern sich bei ihnen bestimmte Eiweiße, die Entzündungen im Mundraum erst so richtig in Gang bringen.

Umgekehrt stört eine Zahnfleischentzündung die Blutwerte ganz erheblich und erschwert somit die Regulation des Glukosestoffwechsels. Hier sind wir Mediziner fachübergreifend zu einer besseren Zusammenarbeit und Abstimmung gefordert. Das macht der besagte Artikel auf sieben Seiten (!) umfassend deutlich. Deshalb empfehle ich ihn hier gerne weiter. Auch die prominente Platzierung im Inhaltsverzeichnis hat mich sehr gefreut! Denn: Die Wechselwirkungen zwischen Parodontitis und Diabetes gehören unbedingt in den Fokus der Medienberichterstattung – und in das Bewusstsein der Bevölkerung.

Die aktuelle Ausgabe des Focus-Diabetes ist im Zeitschriftenhandel erhältlich – oder sofort als App-Download online, z. B. für iPad und iPhone.

Parodontitis-Therapie: Die Gruselgeschichten sind Schnee von gestern.

John+Chanteaux VortragBei meinem letzten Patientenvortrag erhielt ich von knapp 30 interessierten Teilnehmer viele Fragen zu sanften Therapien, die bei einer Zahnfleischentzündung heute bereits möglich, aber bislang nur in wenigen Praxen selbstverständlich sind.

Im Vordergrund stand dabei die photothermische Behandlung, die ich besonders gerne einsetze, weil sie praktisch schmerzfrei und dabei überaus effektiv in der Wirkung ist. Daraufhin entstand eine angeregte Diskussion, in der verschiedene Teilnehmer ihre Erfahrungen mit herkömmlichen Behandlungs-Ansätzen schilderten, bei denen vor allem das manuelle Ausschaben der Zahnfleischtaschen mit zahnmedizinischem Besteck als extrem unangenehm empfunden wurde. Dazu kam der Frust darüber, dass bei dieser Methode oft Entzündungsherde nicht entfernt werden (können), so dass der Behandlungserfolg nicht lange andauert und die Parodontitis nach recht kurzer Zeit zurückkehrt.

Das bestätigte auch mein aMMP8-Schnelltest, zu dem ich alle Teilnehmer eingeladen hatte: Bei einer Dame, die noch vor kurzem auf herkömmlichem Wege behandelt worden war, konnte ich die Entzündungsstoffe erneut nachweisen. Sie zeigen, dass der Knochen angegriffen ist – dass also irgendwann Zähne verloren gehen werden, wenn die Patientin nicht effektiv behandelt wird.

Was zeichnet also demgegenüber die photothermische Therapie aus, die ich beim Vortrag vorgestellt habe?
Zuerst einmal wird nicht geschabt! Stattdessen wird eine spezielle Flüssigkeit aufgetragen, die vorhandene Bakterien selbst in tiefen Zahnfleischtaschen erreicht und markiert. Die eingefärbten Bakterien werden dann durch Laserlicht zu 100 % abgetötet – selbst Keime, die gegen Antibiotika resistent sind, haben dabei keine Chance. Zudem hat der Laser einen weiteren Vorteil: Er löst über seinen wärmenden Effekt auch einen Heilungsimpuls aus.

Mit Patienten, die natürlich den Teufelskreis einer immer wiederkehrenden Parodontitis fürchten, arbeite ich nach der Behandlung einen Nachsorgeplan mit individuell festgelegten Kontroll-Intervallen aus. Denn erst die effiziente Laserlicht-Therapie in Verbindung mit einer konsequenten Prophylaxe kann die Beschwerdefreiheit auf lange Sicht gewährleisten.

Das konnte auch eine Patientin bestätigen, die nach ihrer photothermischen Therapie im letzten Jahr den Schnelltest nun mitmachte und erfreut zeigen konnte, dass ihr Zahnfleisch weiterhin frei ist von den gefährlichen aMMP8-Entzündungsstoffen. Sie hat jetzt den Mut, sich für Implantate zu entscheiden – schließlich weiß sie, dass sie vor erneuten Entzündungsproblemen jetzt verlässlich geschützt ist.

Osseo-Tagung mit Schwerpunkt Periimplantitis: Gute Nachrichten aus der Emerald City.

SeattleAls Periimplantitis bezeichnet der Zahnmediziner eine Entzündung im Mundraum, die ausschließlich um Zahnimplantate entsteht und für den Patienten – und das Implanatat – schwerwiegende Konsequenzen haben kann. Nämlich dann, wenn die Erkrankung nicht rechtzeitig diagnostiziert und behandelt wird. Das Problem liegt dabei im eher unauffälligen Krankheitsverlauf – der Patient hat anfangs keine Schmerzen und somit auch keine Veranlassung, den Zahnarzt aufzusuchen. Wenn Letzterer dann kein speziell ausgebildeter Parodontologe ist, der von sich aus auf eine verborgene Periimplantitis testet, kann wertvolle Behandlungszeit ungenutzt verstreichen. Damit steigt das Risiko, das Implnatat zu verlieren.

Deshalb habe ich mich Anfang März in Seattle auf einer mehrtägigen Tagung der Academy of Osseointegration ausführlich mit meinen Fachkollegen über dieses wichtige Thema ausgetauscht. Die Ergebnisse unserer Gespräche und Vorträge lassen hoffen: Periimplantitis kann heute sicher diagnostiziert und effektiv behandelt werden.

Wichtige Erkenntnis: Implantate selbst sind nicht etwa der Auslöser dieser Erkrankung – praktisch immer sind fehlende Vorbehandlungen oder eine mangelhafte Nachsorge schuld an der Infektion. Beides kommt mittlerweile häufiger als früher vor, weil nicht mehr ausschließlich speziell ausgebildete Zahnärzte Implantate setzen.

So wird z. B. oft versäumt, das Zahnfleisch vor dem Platzieren eines Implantats umfassend auf Entzündungen zu testen und gegebenenfalls zu therapieren. Insbesondere müssen Zahnfleischtaschen im gesamten Mund – nicht nur um das Implantat herum – behandelt werden. Dabei bietet sich vor allem eine Laserbehandlung an, die effektiv und schmerzfrei erfolgt.

In Seattle haben wir immer wieder festgestellt, dass eine regelmäßige Nachsorge – vergleichbar einer Inspektion beim Auto – unerlässlich ist. Besonders, wenn der Patient zu einer der Hauptrisiko-Gruppen zählt, sind Intervalle von 3 Monaten dringend anzuraten, um Probleme gar nicht erst entstehen zu lassen. Zu den Risikopatienten zählen sowohl Diabetiker als auch Menschen, die unter einer rheumatoider Arthritis leiden. So schwächt z. B. die Verabreichung von Cortison das Immunsystem, so dass Bakterien auch im Mundraum ein leichteres Spiel haben.

So können nicht nur Entzündungen am Zahnfleisch entstehen, sondern auch am Kieferknochen. Dadurch verliert das Implantat natürlich seine Stabilität. Die Behandlung muss großflächig erfolgen, mit Heilungschancen aktuell bei etwa 50%. Gelingt die Behandlung nicht, kann es notwendig sein, das Implantat zu entfernen, damit die Entzündung abheilen kann. Danach kann ein neues Implantat gesetzt werden.

Die Tagung in Seattle hat gezeigt, dass man den Tücken einer Periimplantitis mit effektiven Maßnahmen begegnen kann, wenn – ja wenn – man das Krankheitsbild genau kennt und seine Patienten daraufhin im Auge behält. Das verhindert nicht nur böse Nebenwirkungen, sondern sichert auch die Investition, die ein Implantat schließlich auch darstellt, auf viele Jahre.

Mein Schwerpunkt liegt auf der problembezogenen Anwendung.

Am 07. und 08. Februar war ich erneut in München, um beim Kompakt-Curriculum Parodontologie als Dozent tätig zu werden. Ich durfte an der Europäischen Akademie für zahnärztliche Fort- und Weiterbildung im Rahmen eines Intensivkurses mein Wissen mit anderen Kollegen teilen – und für ein besseres Verständnis aktueller Konzepte die notwendigen Hintergründe liefern.

Ich konnte in diesem Rahmen nicht nur die unterschiedlichen Erkrankungsformen vorstellen, sondern auch die daraus resultierenden Unterschiede in der Diagnostik herausarbeiten. So stellen z. B. ältere Patienten oftmals ganz andere Ansprüche an eine therapeutische Behandlung, als das bei jungen Menschen der Fall ist.

Ich konnte vor meinen geschätzten Kollegen das volle Instrumentarium der modernen Parodontologie darlegen und von der ersten Diagnose bis hin zum Abschlussbefund beispielhaft aufzeichnen. Die vielen qualifizierten Zwischenfragen haben mir gezeigt, dass das Thema Parodontologie zunehmend auf großes Interesse stößt. Ich bin glücklich dazu beitragen zu können, dass sich das Wissen um diesen wichigen Bereich der Zahnmedizin weiterverbreitet, und freue mich schon auf den nächsten Termin in München.