Hat der Bohrer bald ausgedient? Forscher wollen Karies mit Mineralien sanft behandeln.

Bald hat der Bohrer ausgedient.

Es stimmt schon, dass der Kariesbefall in den letzten Jahren – besonders bei Kindern – kontinuierlich zurückgegangen ist. Die Aufklärungs-Initiativen rund um die Zahnpflege waren diesbezüglich äußerst erfolgreich und haben die Notwendigkeit zu regelmäßigen Kontrolluntersuchungen fest im Bewusstsein der Patienten verankert. Das bedeutet jedoch nicht, dass man das Thema Karies jetzt komplett abhaken könnte. Unsere Zähne sind auch weiterhin dem permanentem Ansturm säurehaltiger Lebensmittel ausgesetzt.

Diesem Ansturm ist nur ein gesunder Zahn auf die Dauer gewachsen. Leider gibt es viele Faktoren, die dazu führen können, dass unseren Zähnen wichtige Mineralien wie Kalzium und Phosphat entzogen werden. In einem frühen Stadium erkennt der Zahnarzt diesen Mangel an weißen, kreidigen Stellen auf dem Zahnschmelz – und kann zu diesem Zeitpunkt mit speziellen, flouridhaltigen Lösungen problemlos einen Heilungsprozess in Gang setzen.

Ist der Kariesbefall schon weiter fortgeschritten, so half bisher lediglich den Zahn aufzubohren, die kariöse Stelle zu entfernen und mit einer Füllung zu versiegeln. Aber auch hier entwickelt sich die Zahnmedizin ständig weiter. Remineralisierung heißt das Zauberwort, mit dem britische Forscher den betroffenen Zahn zur Selbstheilung anregen wollen. Dabei werden die benötigten Mineralien mit gepulsten elektrischen Ladungen tief in die beschädigte Zahnsubstanz befördert, um dort besser wirken zu können, als Substanzen, die nur oberflächlich aufgetragen werden. Ist das Verfahren in ein paar Jahren ausgereift, könnte so bei vielen Karies-Behandlungen der Bohrer überflüssig werden.

Und das ist wohl eine Nachricht, die bei allen Patienten für erhebliche Erleichterung sorgen wird.

Einen kleinen Videoclip über das Thema gibt es hier.

Osseo-Tagung mit Schwerpunkt Periimplantitis: Gute Nachrichten aus der Emerald City.

SeattleAls Periimplantitis bezeichnet der Zahnmediziner eine Entzündung im Mundraum, die ausschließlich um Zahnimplantate entsteht und für den Patienten – und das Implanatat – schwerwiegende Konsequenzen haben kann. Nämlich dann, wenn die Erkrankung nicht rechtzeitig diagnostiziert und behandelt wird. Das Problem liegt dabei im eher unauffälligen Krankheitsverlauf – der Patient hat anfangs keine Schmerzen und somit auch keine Veranlassung, den Zahnarzt aufzusuchen. Wenn Letzterer dann kein speziell ausgebildeter Parodontologe ist, der von sich aus auf eine verborgene Periimplantitis testet, kann wertvolle Behandlungszeit ungenutzt verstreichen. Damit steigt das Risiko, das Implnatat zu verlieren.

Deshalb habe ich mich Anfang März in Seattle auf einer mehrtägigen Tagung der Academy of Osseointegration ausführlich mit meinen Fachkollegen über dieses wichtige Thema ausgetauscht. Die Ergebnisse unserer Gespräche und Vorträge lassen hoffen: Periimplantitis kann heute sicher diagnostiziert und effektiv behandelt werden.

Wichtige Erkenntnis: Implantate selbst sind nicht etwa der Auslöser dieser Erkrankung – praktisch immer sind fehlende Vorbehandlungen oder eine mangelhafte Nachsorge schuld an der Infektion. Beides kommt mittlerweile häufiger als früher vor, weil nicht mehr ausschließlich speziell ausgebildete Zahnärzte Implantate setzen.

So wird z. B. oft versäumt, das Zahnfleisch vor dem Platzieren eines Implantats umfassend auf Entzündungen zu testen und gegebenenfalls zu therapieren. Insbesondere müssen Zahnfleischtaschen im gesamten Mund – nicht nur um das Implantat herum – behandelt werden. Dabei bietet sich vor allem eine Laserbehandlung an, die effektiv und schmerzfrei erfolgt.

In Seattle haben wir immer wieder festgestellt, dass eine regelmäßige Nachsorge – vergleichbar einer Inspektion beim Auto – unerlässlich ist. Besonders, wenn der Patient zu einer der Hauptrisiko-Gruppen zählt, sind Intervalle von 3 Monaten dringend anzuraten, um Probleme gar nicht erst entstehen zu lassen. Zu den Risikopatienten zählen sowohl Diabetiker als auch Menschen, die unter einer rheumatoider Arthritis leiden. So schwächt z. B. die Verabreichung von Cortison das Immunsystem, so dass Bakterien auch im Mundraum ein leichteres Spiel haben.

So können nicht nur Entzündungen am Zahnfleisch entstehen, sondern auch am Kieferknochen. Dadurch verliert das Implantat natürlich seine Stabilität. Die Behandlung muss großflächig erfolgen, mit Heilungschancen aktuell bei etwa 50%. Gelingt die Behandlung nicht, kann es notwendig sein, das Implantat zu entfernen, damit die Entzündung abheilen kann. Danach kann ein neues Implantat gesetzt werden.

Die Tagung in Seattle hat gezeigt, dass man den Tücken einer Periimplantitis mit effektiven Maßnahmen begegnen kann, wenn – ja wenn – man das Krankheitsbild genau kennt und seine Patienten daraufhin im Auge behält. Das verhindert nicht nur böse Nebenwirkungen, sondern sichert auch die Investition, die ein Implantat schließlich auch darstellt, auf viele Jahre.

Stammzellenforschung: Bei Alligatoren schließt sich die Lücke

AligatorzähneBei einem Großteil aller Wirbeltiere wachsen Zähne, die sich abgenutzt haben oder ausgefallen sind, einfach nach. Aus eigener Erfahrung wissen wir: Bei uns Menschen ist das leider anders – nach dem Milchgebiss haben wir nur noch ein (ver-)bleibendes Gebiss, das wir hegen und pflegen müssen.

In der Keck School of Medicine der Universität von Southern California hat man sich gefragt, warum das eigentlich so ist – und ob wir das überhaupt als gegeben hinnehmen müssen. „Wir wollen endlich die Stammzellen lokalisieren, die es uns vielleicht ermöglichen, beim Menschen nachwachsende Zähne zu stimulieren“, sagt Professor Cheng-Ming Chuong über die Ziele der Wissenschaftler. „Dazu müssen wir jedoch zuerst einmal herausfinden, warum das bei vielen Wirbeltieren der Fall ist, bei uns jedoch nicht.“

Ausgerechnet bei Alligatoren fanden die Forscher ideale Voraussetzungen dafür: „Alligatoren verfügen über 80 Zähne, die sich im Laufe ihres Lebens über fünfzig Mal erneuern können“, erklärt ein weiteres Mitglied des Teams, Professor Ping Wu dazu. „Das macht diese Tiere zu einer hervorragenden Vergleichsgruppe, was die Zahnbildung bei uns angeht.“

Mehr zu der erstaunlichen Studie in englischer Sprache: hier.

Krönender Abschluss unserer großen Test-Aktion auf versteckte Parodontitis

Bei meinem letzten Patientenvortrag im Leonardo Royal Hotel konnte ich 30 interessierte Gäste über die gefährlichen Wechselwirkungen zwischen einer unentdeckten Zahnfleischentzündung und anderen Erkrankungen des Körpers in Kenntnis setzen. Alle Anwesenden konnten (und wollten) sich spontan und vor Ort ebenfalls auf Entzündungsstoffe hin testen lassen.

Unser Ergebnis: Über 50 % der getesteten Personen waren tatsächlich von einer Zahnfleischentzündung betroffen.

Das entspricht exakt dem Resultat, das wir im Rahmen unserer Aktion „Krankmacher Mund“ erzielten, in der wir – im Rahmen der EDISA-Studie – genau 300 kostenlose Schnelltests durchführten und auswerteten. Auch hier litt knapp die Hälfte der Testpersonen unter einer bisher unbemerkten Parodontitis.

Die gute Nachricht ist hierbei allerdings, dass nur aus der sicheren Diagnose eine gezielte Behandlung erfolgen kann. Und diese verläuft heute nicht nur sanft und völlig undramatisch, sondern auch sehr erfolgreich mit punktgenauem Laserlicht.

Mehr zum Thema „Sichere Diagnose und sanfte Therapie“ finden Sie auf meiner Hompage: www.john-chanteaux.de